Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, das Sumpfgebiet zu verlassen und stattdessen , in Rio zu versumpfen. Mittlerweile sind wir beim Verhandeln derart abgebrüht, dass wir den Tarif für das Flughafentaxi unter die effektiven Benzinkosten märten konnten. Übernachtet haben wir dann an der Copacabana in einer unverschämt günstigen 4,5 Zimmerwohnung, welche einer alten Dame (der Mutter des Taxichauffeurs) gehört. Nach der Amazonas- und Klimalüge ;-) müssen wir an dieser Stelle einen weiteren Volksirrglaube berichtigen: Die Copacabana ist selbst nachts für herumstreunende Touristen relativ sicher! Nicht zu letzt dank dem massiven Polizeiaufgebot im Ausgangsviertel. (*) Jedenfalls stehen die Chancen in Bern ausgenommen zu werden mindestens gleich hoch, wie dass man in Rio gewaltsam zur Sozialhilfe gezwungen wird. (Mit dem kleinen Unterschied, dass es sich in der Schweiz meist nicht um eine Attrapengeldbörse handelt)
(*) Police Militar: An dieser Stelle noch eine kleine Ausführung zur Polizei in Brasilien. Wir haben doch kleinere Abweichungen zu unseren Schweizer "Sicherheitskräften" feststellen können. Da wäre als erstes mal die obligate kugelsichere Weste und die nervöse Hand am geöffneten Revolverhalter zu erwähnen. Zweitens, fährt die Polizei mal grundsätzlich nur mit Blaulicht im Streifenwagen und schert sich dabei einen Dreck um Falschparkierer oder Raser, sie sind ohnehin immer diejenigen, welche am schnellsten unterwegs sind. Zudem haben uns einige in Brasilien ansässige Schweizer erzählt, dass die Polizisten in ruhigen Zeiten einem lustigen Zeitvertrieb nach gehen. Eine der Lieblingsbeschäftigungen der Beamten ist es nämlich, die Strassenwischer (Wegmeister) zu pisaken. Beispielsweise indem die geselligen Polizisten Strassenwischer festhalten um sie anschliessend mit flüssigem Leim zu übergiessen. (sieht man in der Schweiz tatsächlich äusserst selten) Ein Tageshighlight bietet auch die brasilianische Tagesschau im TV immer wieder, in welcher alle wichtigen Verhaftungen live zu sehen sind. Am besten hat uns immer das Interview gleich am Ort der Verhaftung mit dem soeben verhafteten Verbrecher gefallen. (Die Verbrecher geben gleichsam gerne und fröhlich Auskunft, wie die YB Spieler nach einer vernichtenden Niederlage)
Selbstverständlich haben wir, was aber vermutlich den kleinesten Teil von Euch interessieren wird, das 0815 Rio-Touristenprogramm absolviert. Obwohl wir die Christusstatue und die weiteren Sights mittels öffentlichen Bussen (diese fahren nach den Polizisten am 2. schnellsten auf der Strasse) auf eigene Faust erkundet haben, sind wir dennoch im Touristenstrom beinahe untergegangen.
Leider kann sich Lazzi nicht mehr an die Namen seiner Liebschaften in Brasilien erinnern, daher erlauben wir uns, anstelle der Namen, nur noch die Anzahl Kuscheleinheiten auf dem Blog zu publizieren. (Auftrag an die Hebamme: Bitte Namen durch Counter ersetzen. Aktuell 8 Liebschaften) Dennoch, blieben zwei Damen bei Lazzi in lebhafter Erinnerung: Fräulein Veronice Maria Joao de Marcos da Silva, auch die Liebevolle genannt und "the White Indio Girl from Belem", als Yoga-Göttin geschätzt. (Auftrag an Tinu den Rechtsanwalt: Können Unterhaltszahlungen und Alimente nach Brasilien irgendwie umgangen werden? Werden diese nach Schweizer Tarif berechnet und/oder kann Lazzi diese mindestens von den Steuern abziehen auch ohne sie effektiv zu leisten?)
Schweren Herzens mussten wir das warme Brasilien verlassen um auf die kalte kleine Osterinsel weiterzufliegen (max 25 Grad - Breite: 5km auf 15km Laenge). Auf der Osterinsel, welche ca. 3000 Einwohner hat, landeten wir wiederum in einem B&B, welches einer ältern Dame gehört. Sie hat uns von Anfang an in ihr Herz geschlossen und wollte uns gleich adoptieren. Die Osterinsel ist der absolute Knueller. Wenn man vor diesen steinigen Statuen (Maois) steht, kommt man ganz schoen ins Staunen und kriegt unvermeindlich Blasen am rechten Zeigefinger. (Wir haben mindestens 1000 Fotos gemacht)
Gleichzeitig sind zumindest berechtigte Zweifel an der Zurechnungsfaehigkeit der Eingeborenen angebracht. Man stelle sich vor, dass die Eingeborenen den gesamten Holzbestand auf der Insel abgerodet, sich zu Tode geschuftet und gehungert haben, um hunderte von Maois, welche bis zu 80 Tonnen schwer sind zu produzieren und auf der gesamten Insel zu verteilen. Doch die Maois alleine genuegten ihnen mit der Zeit nicht, daher haben sich die Insulaner vernuenftigerweise entschlossen, den Mahois zusaetzlich noch Huete aus rotem Stein (ca. 2-5 Tonnen schwer) aufzusetzen.
Wir haben die Insel auf alle moeglichen und unmoeglichen Arten erkundigt. Zu Fuss sind wir auf die imposanten Vulkane gestiegen und haben dabei traumhafte Ausblicke genossen. Mittels Motocross Motorraedern und 4x4 Offroadern durchstreiften wir das fragile Naturschutzgebiet.
Als Hoehepunkt kann jedoch unser Ausritt auf den Pferden gewertet werden. Als wir die Pferde mieten wollten, sagte man uns zuerst, dass dies nur zusammen mit einem Guide moeglich sei. Erst als wir dem skeptischen Pferdehalter unsere imposanten Reitkenntnisse geschildert hatten, war er, im Sinne einer Ausnahme, bereit uns die Gaeule zur Verfuegung zu stellen. Unter kritischer Beobachtung des Pferdehalters, kletterten wir etwas umstaendlich aber dennoch aeusserst filigran auf die Pferde. Was wir vorher nicht wussten: Pferde reagieren grundsaetzlich ganz anders als Bueffel wenn man sie anspornt und koennen auch nicht so gut schwimmen! (Hat uns ja auch keiner gesagt) Nun, erstmals gieng gar Nichts. Dann trabten die Pferde ziellos in alle Himmelsrichtungen. Nachdem sich die Pferde nach langem hin und her aber mal fuer eine Richtung entschieden hatten, klappte es dann auch ziemlich gut mit dem Reiten. Leider waehlten die Viecher fuer den Ausritt ausgerechnet einen schmalen Pfad, welcher den steilen Klippen entlang fuehrte. Witzigerweise gehen die Pferde dann auch am aeussersten Rand des Weges entlang. Wiederum klammerten wir uns zeitweise in panischer Angst mit ganzer Kraft um den Hals des Pferdes und wagten es kaum den Abhang hinunter zu schauen. Nach einer Weile, als es den Pferden wohl zu bunt wurde, kehrten sie auch schoen brav um und trotteten zurueck in die Stallungen. Der Pferdebesitzer, welcher die Tiere wohl schon abgeschrieben hatte, staunte nicht schlecht als wir alle wohlbehalten aufkreuzten.
Als wir vom Land genug hatten, entschlossen wir uns einen Tauchgang zu wagen. Fuer Lazzi war ein Schnuppertauchgang angesagt. Ausgeruestet mit dem neusten Material und in einen dicken Anzug gepackt, tuckerte er mit dem Tauchboot in die Bucht. Nach nur 5 Minuten war der ganze Spass im kuehlen Wasser auch schon zu Ende, da sich in Lazzis Kopf, aufgrund seiner Verkaeltung, ein ungehaeurer Druck in den Stirnhoelen aufbaute. "Diese Kopfschmerzen sind ja noch viel schlimmer als jene die ich am Morgen nach der Goodbye Party erlitt" meinte der kleine Italo verduzt.
Dafuer konnte Steven seinen Tauchgang voll geniessen. Die Unterwasserwelt der Osterinsel ist wirklich erstaunlich. Trotz des kuehlen Wassers (18-20 Grad) haben sich wundervolle Korallen in ca. 20 - 30 Metern Tiefe gebildet, welche jene des Barrier Reefs oder des Roten Meeres gar uebertreffen. Dafuer hat es viel weniger Fische als in den genannten tropischen Gewaessern. Die Sicht im kristallklaren Wasser ist unglaublich gut (bis zu 50 Metern), so dass man die am Meeresgrund liegenden Moais bereits aus weiter Entfernung oder vom Boot aus bewundern kann.
Der Ausgang auf Rapa Nui (Osterinsel) ist ziemlich einzigartig. Es gibt ein Kino, wo permanent der Film "Rapa Nui" laeuft und ca. 2 brauchbare Bars. Zu spaeter Stunde vereinten wir uns mit Rapa Nui Freiheitskaempfern und stimmten gemeinsam mit ihnen Eingeborenenliedern ein. Selbstverstaendlich wurde auch getanzt. Der Kriegstanz, welcher zu unseren Ehren und gegen die chilenischen Besetzer in der Disco aufgefuehrt wurde, erinnerte uns stark an den Auftritt der All Blacks Rugy Jungs. Selbstverstaendlich machten wir nach kurzer Einfuehrung voller Elan mit und sicherten der Bevoelkerung die volle Unterstuetzung der Schweizerarmee zu!
Wir haben uns doch tatsaechlich ein bisschen in die Osterinsel verliebt und werden die abenteuerlichen Tage auf diesem kleinen Eiland nie mehr vergessen. Bekanntlich hat man das Festland Chiles in 3-4 Tagen eigentlich gesehen und braucht einen Tapetenwechesel. Wir sind daher ueberzeugt, dass wir mit unseren 2,5 Tagen Chile den Bogen nicht ueberspannt haben. Jedenfalls haben wir Santiago besichtigt, was uebrigens auch ohne Reisefuehrer in Buch- oder Menschform ausgezeichnet klappt. Am Abend haben wir uns mit unseren chilenischen Freunden (eine davon wurde beinahe Lazzi's Nr. 9) an eine Party in einer Salsaria gewagt. Die Locals tanzten uns beinahe schwindlig. Steven fuehrte seine Tanzpartnerinnen etwa gleich geschickt und zaertlich wie sein stoerrisches Mietpferd auf der Osterinsel. Lazzi dagegen bewegte sich immerhin im Takt ohne die Partnerin zu verletzen, konnte aber nicht verbergen, dass er erst die Salsakurs-Stufe 1 absolviert hat. Logischerweise standen wir innert kuerzester Zeit im Mittelpunkt des geschehens. Selbstverstaendlich nutzten wir die Gunst der Stunde um den lebensfrohen Chilenen etwas Schweizer Tanzkultur zu vermitteln. Mit beiden Haenden in den Hosentaschen und tief in den Knien stehend, streckten wir die Beine in russischer Manier weit von uns und jodelten froehlich dazu. Einige Chilenen machten sogar mit, wobei auch dies bei Ihnen ziemlich grazioes aussah.
