Dienstag, 30. Oktober 2007

Reisebericht Nr. I

Das Gute oder eben Schlechte an einer Weltreise ist, dass bereits der 1. Flug als Beginn der Heimreise gewertet werden kann. Eben diese ersten Fluege hatten es bereits in sich. Nach 20 h Reisezeit sind wir sicher in Rio gelandet. Alle Warnungen und guten Ratschlaege befolgend, haben wir uns auf den Austritt aus der Flughafenhalle vorbereitet. D.h. Moneybelt festzurren, Notgroschen in Socken stecken, Armbanduhr abstreifen, Attrapen Geldboerse in der Hosentasche, Rucksack vorgehaengt, Faust geballt etc. Wir waren bereit.... Hinter der verspiegelten automatischen Glastuere vom Flughafen Rio erwarteten wir ein warmes Welcome der Favelas Jungs.

Es kam aber anders.... Wir wurden freundlich begruesst und wie verlorene Soehne willkommen geheissen. Unsere Faeuste lockerten sich langsam und Lazzi konnte gar einen Glimmstaengel zwischen seine angespannten Finger zwaengen. Ahh, alles halb so schlimm.

Nun, es war unser Plan am naechsten Tag nach Fortaleza weiterzufliegen um dort unsere Freunde Zueni und Beni zu treffen. Aus Sicherheitsgruenden nahmen wir ein Taxi von der Ankufts- zur Abflugshalle um die Fluege fuer den Folgetag gleich zu buchen. Nach ca. 50 Sek. Fahrt sind wir denn auch sicher bei der Abflughalle angekommen. Lazzi durchkaemmte die Halle auf der Suche nach dem guenstigsten Anbieter. Steven bewachte in der Zwischenzeit das Taxi, in welchem unser Gepaeck gelagert war. Selbstverstaendlich fuehrte die lange Wartezeit zu einem hochspannenden Gespraech mit dem Fahrer, welcher nur portugisisch spricht. Nach der langen stummen Zeit gepraegt von lustiger Zeichensprache, tratt Lazzi wieder auf den Plan und informierte den Taxifahrer, dass wir von der Ankuftshalle aus buchen muessen. Erneut fuhren wir mit dem Taxi zurueck an den Ausgangspunkt. Wir fanden schliesslich ein Angebot fuer einen Flug in derselben Nacht. Das Taxi brauchten wir nicht mehr, schliesslich benutzten wir den Aufzug in die Abflugshalle, was schneller erst noch billiger ist. Die Wartezeit war fast unertraeglich und wir mussten uns gegenseitig necken um wach zu bleiben. Der 5-0 Sieg von Brasilien ueber Equador, welcher die Abflugshalle in einen Festsaal verwandelte, hielt uns zur Degustation der ersten heimischen Gebraeue an. Nach ueber 30 Stunden Reisezeit erreichten wir schlussendlich unser Hotel in Fortaleza. Den Jet-lag hatten wir dadurch bereits besiegt.

Nach nur kurzem Schlaf machten wir ein kleines Passegio rund ums Hotel und an den Strand, vom Hunger geplagt kehrten wir aber bald in die Kneipenstrasse beim Hotel zurueck. Das Lesen der ersten brasilianischen Speisekarte endete in einer wilden Gestikuliererei. Ob das gut kommt....
Oh ja und wie, das Bier kam prontofix und ist klirrenkalt, die Marke Antarctica wurde kurzerhand zum Lieblingsgebraeu erklaert und sollte uns noch weiterhin durch die Abenteuer
Brasiliens begeliten (dazu spaeter mehr). Die Menupreise waren drecksbillig und der Caipi kostet umgerechnet CHF 1.20. Zu unserer Ueberraschung bestellten wir fuer 15 Franken 1 Kilo Fleisch in Filetqualitaet inkl. Beilagen und waren verzaubert von der Zuberiteung auf dem Curasco.
Wer uns ein bisschen kennt, der weis: Essen gut, alles gut!

Kurzdarauf wurden wir von unseren 2 temporaeren Weggefaehrten Beni - Bejia-me und Zuensi der Pelzknecht aufgefunden, ab jetzt war das lustige Treiben nicht mehr aufzuhalten und wir durften nur 2h spaeter schon das erste Cachaca Feeling zur Erfahrungsliste dazu zaehlen.

Dann kurze Zeit spaeter der erste Ausgang. Wir begaben uns in eine Kneipenstrasse, welche auf den ersten Blick an jene in Kos erinnert. Doch, nichts was wir bisher in unserem erfahrungsreichen Leben erlebt haben, war vergleichbar mit diesen Szenen. Das Verhalten der Chiccas grenzte an sexuelle Belaestigung. Unsere Pos wurden derart oft und fest beim vorbeilaufen gekniffen, dass wir alle auf dem Bauch einschlafen mussten. Selbst unsere mangelhaften Salsa-Tanzkenntnisse reichten nicht aus und die Frauenhorde auf Dauer fernzuhalten. Zu guter letzt, wir schafften es mit vereinten Kraeften unversehrt ins Taxi. Wobei die Taxifahrer, Schuhputzer und das restliche herumlungernde Gesindel ebenfalls um unsere Gunst stritten. Einem Taschendieb brach Steven beinahe das Haendchen, als er diesem mit einem zuenftigen Handballergriff den spindelduerren Arm festhielt. Das Attrapenportemonnaie ueberlebte im Gegensatz zur laedierten Hand, den Angriff unversehrt. Kleiner Trost: Schuhputzen kann man auch mit der linken Hand noch...

Am naechsten Tag suchten wir fuer den Ausgang eine ruhigere Gegend aus, wo wir in fast schweizerischen Verhaeltnissen feiern konnten. Jedenfalls konnten wir wieder danach auf dem Ruecken liegend einschlafen.

Nun wollten wir nach den ersten Turbulenten Tagen das Tempo drosseln und fuhren richtung Norden nach Combucco, dem Surfer Paradies. Das Surfen war hier jedoch nicht so einfach wie anderswo, auf 50 qm2 tummelten sich ca. 15 Kiter, nichts fuer klein Lazzilein, auch das Material war ungewoht, flogen wir doch bis anhin auschliesslich mit North, Caprinha oder selten mal mit Naish, gibts in Brasilien fast ausschliesslich Bestkites zum Fliegen. Der ersten Start war dann auch erwartungsgemaess schlecht. Des nervoese Teil schmierte dem wohl noch schlafenden Steuermann zu boden und die Lienen haetten fast noch eine brasilianische Indio-Gang zerstueckelt. Zu weilen Steven beim Schnupperkurs mit dem Uebungsschirm noch zusaetzlich zum Kiteinstructor vom Lazzinho unterhalten wurde. Nach dem Downwindtrip mit ca. 150 m Fahrt und 1,5 km erfolgloser Neustartversuche des Schirms, wurde das Surfprojekt in Cumbuco abgeblasen! Was giebts hier sonst noch...

Halloween:

Wie der Zufall so wollte, fand an unserem ersten Abend in Cumbuco gleich eine Halloweenparty statt. Wir natuerlich mit unseren Kostuemen reisend, fanden die Party angebracht. Als fast die einzigen Weissen in diesem Dorf, waren wir auch ohne Verkleidung ein running gag. Halloween unter Locals ist doch mal was anderes. Die vielen mit Liebe hergestellten Kostueme der Gaeste waren ein Augenschmaus. Die improvisierten Theaterauffuehrungen, die regelmaessigen Ausfaelle der Stereoanlage waren genau so sympathisch wie der Fakt, dass wir uns fuer ca. CHF 20.00 einen ausgezeichneten Ausgang leisten konnten (Lazzi musste uns um 3.00 Uhr verlassen). Beim zuschauen der Tanzkuenste der Locals wurde uns beinahe schlecht. Auch wir versuchten uns auf der Tanzbuehne und legten einen sterbenden Schwan erster Guete hin. Den Einheimischen gefiel unser Auftritt jedoch maechtig und kurze Zeit spaeter wurde Benjamin auch schon als Kandidat fuer den Sitz des Buergermeisters in Combuco gehandelt.

So, wir hoffen Euch allen gehts gut und werden uns bald mit neuen Berichten zu unseren Abenteuern melden. Diese werden bestimmt nicht minder spektakulaer ausfallen, zumal wir uns in richtung Amazons bewegen. Uebrigens ein Punkt in Benis Wahlprogramm, welcher er den Einheimischen schmackhaft machen wollte, war die forcierte Abholzung des Regenwaldes zugunsten einer Autobahn nach Kolumbien. Die Begeisterung hierfuer hielt sich bei der Waehlerschaft allerdings in Grenzen.

Keine Kommentare: