Donnerstag, 15. November 2007

Reisebericht Nr. III

Liebe Freunde in der kalten Schweiz,

Wir befinden uns mittlerweile in Belem, einer Grossstadt im Amazonasdelta. Gesprächsstoff bei der hiesigen Bevölkerung und natürlich auch bei den meisten Indiostämmen im Urwald liefert natürlich der Sex-Skandal vom FC Thun. Wir erteilen den Eingeborenen breitwillig Auskunft und versuchen den guten Ruf, welcher der Oberländer Verein hier vor Ort bis vor kurzem noch hatte, zu retten.

Von Jerri aus, sind wir mittels Strandbugy auf der Sandautobahn und per Bus nach Parnaiba, ein verschlafenes Nest mitten im GARNICHTS, gefahren. In diesem Kaff sind wir Dank der Empfehlung eines Italieners gelandet, welcher uns, wie sich spaeter herausstellte, offenbar ueberhaupt nicht ausstehen konnte. Die Parnaiber betrachteten uns wie Aliens und wir benoetigten gerademal 2 Tage um die Bustickets fuer die Flucht zu organisieren.

Nach geglueckter Flucht und holpriger endloser Busfahrt landeten wir schliesslich in Sao Louis. Aus dieser Stadt stammen auch die Fotos mit den Kolonialhaeusern. Auch Sao Louis, welches durchaus seine Reize hatte, vermochte uns jedoch nicht von den Beinen zu hauen. Im Gegensatz zum Cachaca, in welchem wir unseren Frust ertraenkten.

Nun, fuer das Buchen des Weiterfluges nach Belem benoetigten wir nur einen Tag. (Neuer Rekord) Weshalb dauern solche einfachen Dinge so lange, mag sich der aufmerksame Leser hier Fragen? Nun die Antwort ist ganz einfach aber nur schwer verstaendlich: Die Brasilianer verdienen nicht gerne Geld und schon gar nicht auf schnelle oder unkomplizierte Art und Weise.
Beispiel: Um einen Flug von Sao Louis nach Belem zu buchen, konsultierten wir zuerst das Internet. Alles klappte wunderbar, bis es ums Zahlen ging. Internationale Kreditkarten werden hier nicht akzeptiert. Tja, dann gehen wir halt per Taxi ins Reisebuero, dachten wir uns. Dort wurden wir hervorragend beraten und die Brasilianische Schoenheit am Schalter praesentierte uns sogar diesselben Fluege wie wir sie bereits auf dem Netz vorgefunden hatten. Alles lief perfekt, bis es ums Zahlen ging. Nicht einmal Cash wollte sie akzeptieren?!! (Klar, wer mag schon Kunden, welche bar im Voraus zahlen wollen)
Wir lassen uns so kurz vor dem Ziel nicht runter kriegen. Wir nehmen wiederum ein Taxi und fahren diesmal gleich zum Flughafen. Internationale Kreditkarten, welche uebrigens an jedem Marktstand in Brasilien akzeptiert und anschliessend gefaelscht werden, sind auch hier ein Tabu, dafuer erlaubt man uns gnaedigerweise eine Barzahlung. Geschafft!!! Jetzt werden Lazzi und Steven euphorisch und wollen auch gleich den Rueckflug von Belem nach Rio buchen. Kopfschuettelnd und uns von oben herab leicht belaechelnd meinte der Starverkaeufer am Schalter: Fluege von Belem? Sie sind doch hier in Sao Louis!! Fluege von Belem, buche man gefaelligst in Belem. Logisch oder? Auch eine Barzahlung hierfuer (inkl. sizilianischem Bestechungs- und Erpressungsversuch) lehnte er hartnaeckigst ab.

Immer noch kopfschuettelnd landeten wir in der Urwaldmetropole Belem. Hier wurden wir zum ersten Mal seit einem Monat mit Regen konfrontiert. Nach 2 Tagen hatten wir uns auch schon einen Ausflug in den Jungle organisiert und bezahlt. Wir fuhren per Schiff auf einem Nebenfluss des Amazonas nach Marajo, einer Flussinsel von der Groesse Belgiens! Dort wollten wir etwas Action und Abenteuer erleben. Daher erkundigten wir uns fuer eine Kanu Fahrt durch den Regenwald. Im letzten Moment wurde der Trip aufgrund der zu geringen Wassertiefe abgesagt. Als Alternative bot man uns jedoch einen Bueffelritt an. Dieses Angebot nahmen wir etwas entaeuscht an, hatten wir uns doch mehr Action und Jungle-Feeling gewuenscht.

Buffalo-Ride

Auf der Ranch angekommen wurden wir nach Insectenspray gefragt. Mist, den hatten wir in der Euphorie glatt vergessen, aber so schlimm wird der Amazonas Mueckentechnisch ja kaum sein. (Schliesslich haben wir in der Schule im Geo immer gut aufgepasst)
Wir stiegen auf unsere riesigen Wasserbueffel (in kurzen Hosen, in Flip-Flops und mit Kamera und Reisepass ausgeruestet) und legten gleich los. Nach ca. 2 Minuten hatten sich bereits tausende von Moskitos an uns verkoestigt. Der Guide fragte uns: Mucho Adventura? Unsere Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: Si Senhor, MUCHO ADVENTURA, per vavor!!!

Kaum hatten wir diese verhaengnisvolle Antwort von uns gegeben, so rutschten wir mit den 1,5 Tonnen Viechern einen schlammigen Steilhang zum Bach hinunter. Das truebe und seichwarme Wasser ragte Steven bereits bis zu den Knien. Dann kam Lazzi auf seinem Mini Bueffel herunter gerutscht. Sofort sass Lazzi bis zum Bauch im Wasser und klammerte sich verzweifelt an den Nackenhaaren vom noch verzweifelteren Bueffel. In letzter Sekund konnte Steven noch die Fotokamera und den Reisepass aus den Hosentaschen ziehen und vor dem Wasser retten. Auch er stand kurze Zeit spaeter bis zum Hals im Wasser. Wir zogen so dann mit unseren Tierchen stromaufwaerts durch, wie man uns spaeter erzaehlte Piranha- und Krokodil verseuchtes Wasser. Teilweise ragten von den Bueffeln nur noch die Nasenloecher aus dem Wasser, der Rest wurde durch die beiden Hobbytouristen unter Wasser gedrueckt. Als sich der Wasserbueffel von Steven zum ersten Mal ins tiefere Wasser begab, kletterten einige, unter dem Sattel saesshaft gewordene Kakaerlaken, unter dem T-Shirt den Ruecken hinauf um sich auf sichere Hoehe zu begeben. Bis Steven das Insekt ertraenkte genoss er aber jede Sekunde der kribbligen Erfahrung.

Nach dem Hoellenritt fragten wir unseren Guide, was denn die uebrigen Touris von dieser Tour hielten und ob dies alle praestierten? Der Guide meinte, dass diese Tour noch nie mit Touristen gemacht wurde und auch fuer ihn war es das erste Mal... Mucho Adventura eben.

Uebrigens, dass 6 Meter Krokodil, welches unlaengst in unserem Fluesschen ausgesetzt wurde, hat offenbar einen ganz lieben Charakter und sollte eigentlich, wie es sich ja jetzt auch herausgestellt hat, keine Gefahr fuer Mensch und Tier darstellen.

Den heutigen Tag haben wir wieder dem Buchen eines Fluges nach Rio, der Homepage und der Imagepflege fuer den FC Thun gewidmet.

Wir freuen uns natuerlich ueber Eure Kommentare und auch ueber alle persoenlichen E-Mails. Danke! Cu soon.

Love Lazzi and Steven

steven_geissbuehler@hotmail.com und marco_lazzara@hotmail.com

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Jungs,

eui homepage isch der hammer. immer cool, die ds kontaktiere. rächt légèri sach...

steven, happy birthday! hoffentlech hesch mit es paar ne caipis gas gä.

gruess

bäni

Anonym hat gesagt…

happy birthday matador suisso, o du chunnsch de 30er nöcher hahaaaa

MiB hat gesagt…

Auch die Blog-Hebamme gratuliert den beiden tapferen Gefährten aufs Heftigste für die stets tadellosen und äusserst erquickenden Einträge aus den Weiten ennet dem grossen Teich. Dem Engländer unter den beiden wünsche ich auch hier gutes Gelingen zur Feier des Geburtstages und good luck to Israel gegen die Wodkas!...Und obwohl ich den Lazzel sehr mag, drücke ich in Glasgow den Highlandern die Daumen!

Anonym hat gesagt…

hei jungs,das isch ächt dr hammer und huere geil gschribe!macht spass und länkt wunderbar vor arbeit ab wo eigentlich asteit..läzzu,ha dis hondeli in empfang gno, ä richtigi rocket,hei üs scho guet agfründet..gruess belä

Anonym hat gesagt…

hallo zaeme,

krokodil, piranhas, kakerlake, me frogt saech welem viech das mae am wenigschte gaern moecht begegne...

lazzi (ig kenni di zwar nid), aber pass guet ufe steven uf, nid das er saech daem 6meter kroki zum frass vor wirft, nachdem d'englaender so tragisch d'quali verpasst hei...

gruess bux